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Teilreisebericht(e) Teneriffa…

Dieses Thema im Forum "Fotoreisen National / International" wurde erstellt von brembo, 1. März 2009.

  1. brembo

    brembo Aktiver canikon

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    Verreisebericht… Könnte sein, dass der stückchenweise kommt. Ich hoffe, das ist OK ;)

    Erst mal ankommen…

    04:00 Wecker klingelt nach ca. 2h Schlaf. Ich wasche das, was versucht, mich da im Spiegel anzuschauen. Instinktiv fühle ich, dass das noch was vor hat, heute. Mir wird schon noch einfallen, was das war…

    05:00 Taxi ist da. Zwölf Sylvester Philatelie studiert, schmerzhafte Trennung von der Freundin und ihrem Hund, Lebensgeschichte, „Ich fahre immer Nachts…“, „JAJA…“, „…da sind die Kunden entspannter…“, Ich sage nicht, was ich gerade denke. Der Kutscher würde mich sofort als unentspannt von der Liste seiner Lieblingskunden tilgen… Unglaublich, wie lang 10min. werden können…

    05:15 Check & Clean der Fotoausrüstung mit dem Flughafensicherheitsdienstantisprengstoffstaubsauger. Obwohl sich der Flughafensicherheitsdienstantisprengstoffstaubsaugerbeauftragte wirklich alle erdenkliche Mühe gibt, es ist einfach kein Sprengstoff zu finden. Er wirkt enttäuscht, ich fühle mich irgendwie schuldig und bin kurz davor, ihm mein Bedauern auszudrücken…

    05:30 In den Flieger sitzen gehen. Der Kleine in der Reihe vor mir kotzt schon vor dem Start und der Typ neben mir ist auch nicht dünner als ich. Dafür ist er größer. Guten Flug…

    06:00 Es schiebt kräftig und der Flieger fliegt. Immer wieder erstaunlich…

    10:00 (Ab jetzt gilt Casablanca-Zeit) Drei Kaffee, einen O-Saft, lauwarmes Rührei mit Marmeladenbrötchen, eine Bild am Sonntag, 60 „Schönste Küsten- und Bergwanderungen“, zwei volle Windeln, drei hektisch aber lächelnd vorgetragene Check & Clean Einsätzen der Stewardessen am kotzenden Kleinkind, einen Fast-Nervenzusammenbruch der Frau, die das Kleinkind in den Flieger getragen hat, gefühlte 27 Ellenbogen meines Nachbarn in meinen Rippen, gefühlte 26 meiner Ellenbogen in den Rippen meines Nachbarn (er hat gewonnen) und insgesamt 5 enge Stunden später: Landen, Klatschen, raus.

    10:30 Nachdem mehrere Gepäckwagen in meinen Hacken parkten und mich eine rüstige Mittachtzigerin per Bodycheck fast auf das Gepäckband rempelte, ich habe mich jeweils für meine Ungeschicklichkeit entschuldigt, kommt schon der Koffer. Gleich weiter zum Autovermietungsschalter. Erster! Computerausfall. Entschuldigendes Lächeln von Frau Hertz. Vor mich hin springt ein Männchen, wedelt dabei aufgeregt mit einer güldenen Plastikkarte und wirft mir dabei seinen Golfsack vor die Füße. Man könnte fast meinen, er hätte eilig. Wenn jetzt der Taxifahrer da wäre und mir irgendetwas von „entspannt“ erzählen würde… Frau Hertz dagegen hat es gar nicht eilig. Da der Computer immer noch Siesta macht, nimmt sie sich ausgiebig Zeit und erklärt dem Golfsackmännchen leise lächelnd aber sehr bestimmt, wie man am leichtesten das hintere Ende der, inzwischen ziemlich langen Schlange findet. Wieder Erster! Der Tag hat Potenzial. Eventuell entwickelt es sich ja noch. Frau Hertz lächelt, ich lächle zurück.

    11:30 Ein kreischender Nadeldrucker zeugt von der erfolgreichen Reanimation der Autovermietungsdatenverarbeitung. Meine Daten werden auch sofort von selbiger verarbeitet, ich erhalte einen Toyota-Schlüssel. Diesmal keine 1,5-2 stündige Busfahrt durch die Hölle von Los Christianos und Playa de las Americas, sondern direkt zum Hotel. Der Tag wird immer besser. 20°C, leichter Nordwind, leicht bewölkt.

    12:00 Hotel, am nördlichen Rand von Costa Adeje, sehr schön und noch etwas abseits des Wahnsinns. Mit einem breiten Grinsen werde ich an der Rezeption empfangen. „Lassen sie sich nicht wieder das Chandy klauen. Cherzlich Willkoomen“, tönt es mir beim Eintreten in die Lobby mit russischem Akzent entgegen. Voll internäschonäl hier. „Wieder ein ruhiges Zimmer?“, „Gerne. Das wäre schön. Mit WiFi wäre perfekt.“, wieder russisch und grinsend:„Ich chabe nur noch eins mit Meerblick und einer Palme davor. Wenn sie das nicht stört? Wäre das angenähm?“, „Sehr.“, „Bitte.“, „Danke“. Schlagartig fängt es an, sich gut anzufühlen.

    12:15 Koffer in den Schrank schütten.

    12:30 Cortado Natural auf der Terrasse, in der Sonne

    12:45 Cortado Natural auf der Terrasse, in der Sonne

    13:00 Reis mit Muscheln und Knobi. Viel Knobi und viele Muscheln.

    13:30 Cortado Natural auf der Terrasse, in der Sonne. Plötzlich ist Urlaub. Ging schnell, diesmal.

    14:00 Kurze Runde zum Supermarkt. Bratfett Faktor 30 kaufen, für die zarte Bräune.

    Ab 14:30 und den Rest von heute: Noch etwas in Ruhe ankommen, Cortado Natural auf der Terrasse, in der Sonne, eine große Runde zum Wasser, heute Abend gab es Zackenbarsch in Tomaten-Paprika Sauce, Maisgemüse und Salat. Zum Nachtisch Melone Mista. Cortado Natural auf der Terrasse, bei Sternenschein. Im Hintergrund beschallte „Adrian“ die rollenden Diskokugel die Lounge und sang dazu „Roooosaaaaamundeeee, schenk mir dein Herz…“. Na gut. Irgendetwas ist ja immer…

    Demnächst evtl. mehr…

    Bild 1: Hotel von vorne. Langweilig
    Bild2: Hotel von oben, Pool, Costa Adeje, Playa de las Americas, mehr Meer. Ungefähr in der Richtung, gleich hinter den Kapverden, muss auch irgendwo die Antarktis liegen…
    Bild3: Hotel von hinten. Schon schöner. Im Hintergrund, das sind ziemlich dunkle Wolken. An denen werde ich aber erst morgen arbeiten…

    Leider habe ich nix zum entzerren dabei. Deshalb stürzt es etwas. Ich bin auch nicht ganz sicher, wie die, auf dem Notebook entwickelten, Schnappschüsse wirken. Ein Hinweis zur Helligkeit wäre gut.

    Viele Grüße
    Holger
     

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  2. Manfred

    Manfred canikon Legende

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    Hallo Holger,

    ich, als personifizierter "Urlaubs-Einsiedler" bekomme beinah Platzangst, wenn ich mir das Bild 2 anschaue und mir vorstelle, wieviel Leute sich da drängeln werden.
    Ich gönne dir ja einen erholsamen Urlaub, für mich wäre das jedoch nichts :confused:

    Grüße
    Manfred
     
  3. Anonym031

    Anonym031 Guest

    Schönen Urlaub wünsch ich dir. Komm gesund wieder zurück.
     
  4. brembo

    brembo Aktiver canikon

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    Hallo Manfred.

    Das geht mir ja im Prinzip ganz ähnlich. Deshalb bin ich auch nach dem Frühstück hier verschwunden und komme erst wieder, wenn es dunkel wird ;)

    Morgen geht es in den Nord-Westen, nach Punta de Teno, dass Meer angucken ;)

    Gruß Holger
     
  5. repi

    repi Aktiver canikon

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    Hallo Holger!

    Ich habe deinen Teilreisebericht mit viel Vergnügen gelesen:D!
    Freu mich schon auf die Fortsetzung.
    Ich wünsch dir noch einen erholsamen Urlaub.

    Viele Grüße Regina

    P.S. Helligkeit fand ich ganz in Ordnung, hab aber auch nur einen Laptop.
     
  6. PeterO.

    PeterO. canikon Legende

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    Moin Holger,

    eigentlich hatte ich beim Aufmachen jede Menge Bilder erwartet, ab dann dieser sehr kurzweilige Text. Da freue ich mich schon auf mehr - ein paar Bilder zur Untermalung dürfen aber auch sein ;D.
     
  7. Papa1941

    Papa1941 Aktiver canikon

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    Super Bericht, Holger.
    Dankeschön, hab' mich sehr amüsiert und bin gespannt auf die Fortsetzung der Story. Wenn es so weitergeht wie es anfing, könnte es der am meisten gelesene Reisebericht in diesem Forum werden.
    Ich wünsche Dir, dass auch noch die Sonne herauskommt und sich nicht während Deines Urlaubs permanent hinter einen Wolkendecke verbirgt.
    Und ... untermale den Bericht mit geeigneten Bildern.
    Viele Grüße aus OF
    Manfred
     
  8. Anonym064

    Anonym064 Guest

    Lieber Holger!

    Da machst Du uns aber eine Freude der besonderen Art mit diesem "Während-des-Urlaubs"-Bericht! Aber übertreibs bitte nicht - schließlich bist Du ja zum Entspannen dort, und nicht um ganz Canikon-Land zu unterhalten ;).

    Dein Bericht stiehlt glatt den Bildern die Show - einfach köstlich!

    Lass es Dir weiter gut gehen.

    Grüßle von
    Bettina.
     
  9. elektro_heiko

    elektro_heiko Aktiver canikon

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    Man Holger, Danke für den amüsanten Teilbericht, ich hoffe doch es werden noch viel mehr Fortsetzungen!!! Und Dir einen schönen und vor allem Entspannten Urlaub.
     
  10. brembo

    brembo Aktiver canikon

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    Extremidyllisches Masca…

    Extremidyllisches Masca…

    Gestern habe ich mich auf den Weg in den Nord-Westen der Insel gemacht, um mir die äußerste Spitze der Insel bei Punta del Teno, und auf dem Weg dorthin Masca, ein extremidyllisches Bergdorf anzusehen. Mehrere Wege führen aus dem Süd- in den Nord-Westen. Die Küstenstraße TF47 ist aber eher langweilig und bietet nicht viel mehr als Bettenburgen und Bananenplantagen. Ich habe mich also für die TF 82 entschieden, die etwas abseits aber dafür hoch über der Küste nach Norden führt. Bei guter Sicht hat man einen fantastischen Blick auf den tief unten liegenden Küstenstreifen (Bild1, nein, die Sicht war nicht gut…) und die Nachbarinsel La Gomera. In Santiago del Teide zweigt dann die Straße (TF436) nach Masca ab. Erst ein Stück steil bergan, bis auf einen Kamm, dann windet sich die Straße in sehr engen, steilen Serpentinen durch eine fantastische Landschaft hinunter nach Masca. Zwei Autos passen gerade aneinander vorbei vorausgesetzt, beide Steuermänner denken weiter als nur bis zur nächsten Kurve und an mehr als nur an sich selbst. Auf der einen Seite ragt nach einer etwa 40cm tiefen Regenrinne der Fels steil auf, auf der anderen sollen freundlich beige bemalte Betonquader den automobilen Absturz verhindern. Ein weiteres Markenzeichen dieser Strecke sind die vielen, immer meist zu vieren oder zu acht auftretende, rechteckige Markierungen in geschmackvoll hellen Neon-Farben auf der Fahrbahn. Diese hinterlässt freundlicherweise die Policia Local, nachdem die Mietwagenwracks wieder auseinander dividiert und abtransportiert wurden. Ein schöner Service, so verpasst man die spannenden Stellen nicht.

    Dann kommt Masca. Alles, was ich bisher darüber gehört hatte, ließ mich erwarten, dass ich schon beim ersten Anblick hysterisch kreischend… War aber nicht. Das Dörfchen liegt am oberen Ende eines tiefen Taleinschnittes, idyllisch an und auf den Berg geklebt. Abgesehen davon, das Masca bei einem Brand im Sommer 2007 mächtig einen mitbekommen hat, die schwarzen Stämme der wieder austreibenden Palmen und einige Ruinen zeugen noch davon, wird es gerade tourismuskompatibel wieder aufgebaut. Der alte Stil wird versucht zu kopieren, aber die Patina fehlt sichtbar. Nette kleine Häuser, teure Bars und Souvenirläden und ein voller Parkplatz am oberen Ende des Dorfes. Die Insassen der dort abgestellten Autos und Busse schlitterten derweil in Scharen und auf Flip-Flops, in müllsackgelben Einmalregenponchos bekleidet auf steilen, nassen und sehr rutschigen Pflasterwegen durch die dörflicher Idylle. Masca, wir beiden haben fertig.

    Weiter die TF436, erst wieder eng, steil und serpentinig, dann breiter, durch eine von landwirtschaftlich genutzten Terrassenfeldern (Wein, Kartoffeln, Gemüse) geprägte Gegend hinunter nach Buenavista del Norte. Habe ich eigentlich erwähnt, dass aus dem durchgehend bedeckten Wetter ab Santiago del Teide ein fast durchgehendes Regenwetter geworden war? Nur in Masca (Bild3 und Bild4) zeigte sich mal kurz die Sonne. Unglaublich idyllisch eben…
     

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  11. brembo

    brembo Aktiver canikon

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    Los Waschküchos del Norte…

    Los Waschküchos del Norte…

    Angekommen in Buenavista del Norte, wandelte sich das Wetter abermals. Aus einfachem Regenwetter wurde etwas, das sich wie Schleudern, Spülen und Trocknen gleichzeitig anfühlte. Aber egal, ich wollte nach Punta del Teide, an die äußerste Nord-West-Spitze der Insel.

    Rechts ab also, auf die TF445. Nach wenigen hundert Metern empfing mich ein gelbes Schild (Bild1). Gut, das nichts von dem, was auf dem Schild beschrieben wurde gerade zutraf. Ich tat also das, was man mit solchen Schildern am besten tut, ich ignorierte es. Was dann folgte, war ein absolut beeindruckendes Stück Straße. Auf geschätzt 100m Höhe zeiht sie sich ca. 3 Km direkt an der, teilweise in großer Höhe überhängenden Steilküste (Bild2) entlang um schließlich nach einem weiteren Kilometer durch eine sanft abfallende Ebene am Leuchtturm Faro del Teno (Bild3, der dunkle linsenförmige Fleck ist La Gomera in Wolken…) zu enden. Was gibt es dort noch zu sehen? Etwas Brandung (Bild4, missglückte Spielerei mit dem Graufilter) und den Blick auf die Westküste der Insel (Bild5).

    Zurück ging es dann komplett über die TF82 zum Hotel. Ich musste mich etwas sputen, denn ich hatte noch eine Verabredung mit Fräulein TUI zum Abendessen. Eine nette Bekanntschaft aus dem letzten Urlaub im November, die hier reiseleitet. Getroffen wurde sich in „Bar-Restraurante Las Estrellas“ weit oberhalb von Guia de Isora an der TF38 Richtung Teide Nationalpark. Von außen pfui, mit der unvermeidlichen, roten Coca-Cola Reklame an den Steilhang gebaut, von innen auch pfui. Kacheln auf dem Boden, die den Charme einer 80ger Jahre Bahnhofswartehalle ausstrahlten, und die Wände verputzt mit einem silbergrau besprühten Lavasteinimitat. Aber der Ausblick war absolut großartig. Vom Tisch am großen Fenster konnte man nicht nur auf die Lichter der Westküste sondern sogar bis hinüber nach La Gomer schauen. Sehr imposant. Beeindruckend war auch das Essen. Conejo Salmorejo (gebeiztes Karnickel, in Teilen angebraten in einer sehr würzigen Soße gegart). Von Häschen wird fast alles verwendet, also können einem schon einmal Leber und Herz auf dem Teller begegnen. Lecker… Dazu Papas arruadas con Mojo rojo (In Meerwasser runzlig gekochte Kartoffeln mit einer scharfen roten Soße, die mit Schale gegessen werden). Tag zuende.

    Viele Grüße
    Holger
     

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  12. brembo

    brembo Aktiver canikon

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    Keine Nussplätzchen…

    Keine Nussplätzchen…

    Nach dem Frühstück, so gegen 11:00 Uhr, schnell los. Über die TF38 Richtung Teide Nationalpark. Nachdem ich auf etwa 2000m durch die unvermeidliche Wolkendecke gestoßen war, wurde ich ehrlichgesagt etwas überrascht, als mich die Gegend, die letztes Jahr im März bei 20°C und Sonne strahlte, mich nun so ganz anders empfing (Bild1). Weiter nach Süden, zur TF21, der ich dann nördlich bis Las Canadas del Teide folgen wollte. Dort gibt es die weltbesten Nussplätzchen. Geformt und von der Konsistenz wie runde Lebkuchen, bestehen die Dinger anscheinend nur aus Haselnussmehl, gerösteten und gemahlenen Pinienkernen und einem Hauch Zucker für die Glasur. Ich bin sicher, hätte ich eine Waage zur Hand, würde ich einen Unterschied von +2 Kg messen. Alleine durch das Schreiben des vorletzten Satzes.

    Unterwegs hielt mich kurz ein weiteres gelbes Schild auf (Bild2), mit dem ich aber ähnlich verfuhr, wie mit dem störenden Anzeiger auf dem Weg nach Punta del Teno. In kurzem Abstand folgte ich also einem weißen Geländewagen auf die TF21 Richtung Teide. Erst etwas später merkte ich, dass ich die Guardia Civil verfolgte. Der Abstand wurde etwas größer…
    Auf Höhe der Seilbahnstation des Teide war dann aber endgültig Schluss. Den Nationalparkwächter mit der roten Kelle und dem Absperrgitter mitten auf der Straße konnte ich nicht wirklich ignorieren. Straße gesperrt, keine Nussplätzchen.

    Also hoch zur Talstation der Seilbahn. Dort stellte sich auf Nachfrage heraus, das die Wege oben unter dem Gipfel hoch verschneit und gesperrt sind. Die unverschämten 24€ für die Fahrt habe ich also gespart. Guck man von der Talstation nach Süden, sieht es aus wie auf Bild3 undBild4. Und, die Sonne schien!

    Da ich noch etwas Bewegungsdrang verspürte, ging es zurück zur TF38. Hier, etwas nördlicher und tiefer, war inzwischen die dicke Suppe wieder angekommen und die Sicht lag bei etwa 30m. Außerdem wehte ein starker kalter Wind und der Schnee wollte nicht wirklich schmelzen. Da ich wenig Lust auf Verlaufen hatte, hielt ich bei Km 8 am Beginn des gekennzeichneten Weges „Sendero 13“. Ein großartiger Wanderweg, etwa 2,5h reine Gehzeit. Der Weg beginnt an der Baumgrenze auf 1800m und steigt auf etwa 2150m über Bimsschotter an. Oben bietet sich eine fantastische Aussicht auf den Pico del Teide und den vorgelagerten Pico Viejo. Man umrundet den Montana de la Botila, einen Bimskegel, und steigt über einen anderen Weg, ebenfalls über Bimsschotter steil wieder zum Ausgangspunkt ab. Also theoretisch würde sich hier ein Anblick bieten… Allerdings nicht bei 30m Sicht… Um einen Eindruck zu vermitteln, wie schön es dort eigentlich ist, hänge ich eine Aufnahme vom letzten November an (Bild5)

    Morgen werde ich dem Berg dann etwas Zeit zum abtauen geben. Auf dem Rückweg von der heutigen Tour habe ich mir in Adeje noch kurz die Genehmigung für den Zugang zum Baranco del Infierno geholt. Während des Wartens vor dem Naturschutzhäuschen, zeigte sich mal wieder, dass das alte Sprichwort vom Wald und dem hineinrufen in selbigen doch einer gewissen Wahrheit nicht entbehrt. Vor mir war noch ein Herr in geschnürten Wanderhosen an der Reihe, der den Nationalparkscheriff zur Begrüßung erst einmal auf Deutsch anpflaumte, wieso denn überhaupt eine Genehmigung und als er damals hier war, konnte man einfach rein und dann auch noch 3€ für die Genehmigung, Frechheit… Der Wächter im Häuschen verstand kein Wort, der Kollegen hatte sich in Rage geredet und ging. Auf mein radegebrochenes „Hola Senor“ antwortete der Schluchtenwächter in sehr gutem Deutsch „Wollen Sie die Schlucht besuchen? Wann mögen Sie denn?“… Morgen um 09:00 also Baranco del Infierno und wieder was gelernt.

    Viele Grüße
    Holger
     

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  13. Papa1941

    Papa1941 Aktiver canikon

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    Herrlich Holger.
    Danke sehr für die tolle Lektüre vor meinem Zubettgehen. Und hoffentlich wirst Du das kristallklare Gipfelwetter auch bald in den Tallagen genießen können.
    Danke für den Bericht und die Bilder.
    Ich freue mich schon auf die Fortsetzung(en)
    Viele Grüße
    Manfred aus OF
     
  14. MobyundCo

    MobyundCo canikon Legende

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    Vielen Dank... wirklich sehr kurzweilig... das ist (fast) wie dabeisein ;D

    *lach* Du hast die Polizei verfolgt?? 8) - köstlich...

    Ansonsten: es scheint auf den Inseln mehr oder weniger "gleich" zu sein... - ich weiss aus meiner Zeit auf Ibiza auch: wenn man wenigstens versucht, 2 Wörter auf Spanisch zu sprechen ("Hola Senor" (mist... wo ist das n mit der Welle??) reicht da meistens schon), öffnen sich viele Türen - oder halt Schluchten... aber das "plumpe" deutsche Verhalten ("Ich bin Tourist, von mir leben die ja schliesslich") fordert eine Ignoranz heraus, die sich hinter dem Ruf der Franzosen nicht verstecken braucht.. *Angel*

    Ich bin jedenfalls gespannt, wie es weitergeht...

    Und übrigens: auch Deine Bilder: beeindruckend! :D - bei dem einen oder anderen habe ich gedacht: "boohhh... das bei strahlend-blauen Himmel" - aber eigentlich wirken die meisten gerade durch die Wolken (vermutlich importiert ZOZ die Wolken von Teneriffe *grins*) einfach... erste Sahne... :D

    Geniesse Deinen Urlaub auch weiterhin... und ich freue mich auf eine Fortsetzung! (und lass die "Guardia Civil" in Frieden... LOL)
     
  15. Anonym064

    Anonym064 Guest

    Danke Holger!

    Macht Spaß Dich zu begleiten! Bitte für den nächsten Bericht wieder die größere Schriftgröße wählen - dann liest es sich leichter (zumindest für einen Blindfisch wie mich :-[).

    Grüßle von
    Bettina.
     
  16. PeterO.

    PeterO. canikon Legende

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    Holger,

    hat mir wieder gut gefallen, freue mich schon auf mehr.
     
  17. repi

    repi Aktiver canikon

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    Hallo Holger!

    Deine Reiseberichte haben wieder viel Spaß beim Lesen gemacht
    und die Fotos haben mir ebenfalls gut gefallen.
    Ich freu mich schon auf die Fortsetzung:D.

    Weiterhin einen schönen Urlaub.

    Gruß Regina
     
  18. cheetah

    cheetah canikon Mitglied

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    Super geschrieben, besonders der 1. Reisetag, als wäre man selber dabei gewesen :)
     
  19. Anonym064

    Anonym064 Guest

    Mehr noch: "Mittendrin - statt nur dabei!" ;D
     
  20. brembo

    brembo Aktiver canikon

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    Hölle, Hölle, Hölle…

    Hölle, Hölle, Hölle…
    Barranco del Infierno, die Höllenschlucht…

    Ob sie ihrem Namen zurecht trägt? Schauen wir mal… Der Einstieg zur Schlucht liegt am obersten Ende des Städtchens Adeje, an der Kirche vorbei, links ab, dann rechts den Berg hoch, bis zur Bar „Otelo“. Endstation. Nach dem Parken des Autos an der sehr steilen Straße, nicht vergessen, einen Stein unter das Hinterrad zu legen und die Lenkung Richtung Bordstein einzuschlagen. Besser, als wenn das eigene Gefährt in die tiefer geparkten einschlägt.

    Zum Betreten der Schlucht ist eine Genehmigung erforderlich, da der Zutritt zur Schlucht auf maximal 200 Besucher pro Tag begrenzt ist. Diese Genehmigung wird aber in der Regel sofort vor Ort erteilt. Da pro Stunde auch nur eine begrenzte Anzahl an Wanderern Einlass erhalten, muss man eventuell etwas warten, oder vorab einen Termin machen. Die drei Euro Eintritt dienen dem Erhalt und der Pflege der Schlucht. Ich hatte mich bereits gestern Abend vor Ort für 09:00 angemeldet.

    Der Barranco del Infierno ist eine etwa 3,5Km lange Schlucht, an deren Ende ein 80m hoher Wasserfall in mehreren Kaskaden in ein kleines Becken fällt. Der dort entstehende Bach fließt erst frei, später dann in einem schon vor langer Zeit gemauerten Kanal ins Tal. Der erst breite (Bild1+2) Taleinschnitt steigt stetig an und verengt sich schließlich (Bild3) etwa einen Kilometer vor dem Ende am, zugegeben etwas unspektakulären, Wasserfall (Bild4). So wild und unberührt die Schlucht streckenweise wirkt, ist sie doch eine der ältesten Kulturlandschaften der Insel. Erst haben die Ureinwohner ihre Verstorbenen in den Höhlen oberhalb beigesetzt, später wurde die Schlucht wegen ihres ertragreichen Bodens und der über das ganze Jahr gesicherten Wasserversorgung landwirtschaftlich genutzt. Zu sehen ist davon aber heute praktisch nichts mehr.

    Der Weg zum Wasserfall ist nicht besonders anspruchsvoll. Man sollte schon trittsicher sein aber jeder, der unfallfrei eine steile Treppe steigen kann, kann auch diesen Weg gehen. Länge insgesamt knapp 7Km, max. Höhenunterschied 200m, die Dauer wird je nach Wanderführer mit 2-4 Stunden angegeben. Der Weg verläuft erst deutlich oberhalb des ansteigenden Talbodens, um diesen dann etwa zur Hälfte des Weges zu erreichen. Der Weg zieht sich auf dem ansteigenden Grund der Schlucht weiter, es wird deutlich kühler und feuchter. Die Vegetation ändert sich schlagartig und unter einem Dach aus Weidenruten geht es über runde Felsen, mehrmals den Bach querend dem Ende zu.

    Es empfiehlt sich, den Weg möglichst früh zu beginnen, langsam und leise zu gehen. Während erst noch die Geräusche des nahen Ortes Adeje zu hören sind, wird es erst entspannend still, später zwitschert es aus diversen Büschen und hin und wieder ist auch aus einem der tieferen Becken des Baches ein Frosch zu hören. Es lohnt sich außerdem, manchmal still inne zu halten. Dann bekommt man mit etwas Glück auch die scheuen aber eigentlich recht häufigen Eidechsen zu Gesicht, die sich bis auf wenige Zentimeter heran trauen. Bei der leisesten Bewegung sind sie wieder unter dem nächsten Busch. Zufall war auch, dass ich über die beiden Rebhühner gestolpert bin. Huhn und ich waren gleichermaßen erschrocken, aber auch neugierig. Die Rebhuhnentfernung bei Bild5 betrug etwa 1,5m.


    Nach etwa 1,5h am Wasserfall angekommen, hatte ich noch ein interessantes Gespräch mit dem Guide, der am Wasserfall Wache schob. Der Aufenthalt dort ist normalerweise auf ein kurzes Foto beschränkt, da dort jederzeit mit Steinschlag zu rechnen ist und die Chancen getroffen zu werden, steigen, je länger man dort verweilt. Aber es war noch früh, die Schlucht leer und anscheinend hatte er Zeit für eine kurze Unterhaltung und Spaß daran, einige Dinge zu erklären. Während unseres Gesprächs verzog er plötzlich etwas genervt das Gesicht. Ich wusste erst nicht, worum es geht, hörte dann aber auch die lauter werdenden, sich nähernden Stimmen und das maschinengewehrartige Stakato, das sie begleitete. Durch vorhergehende Erfahrungen einschlägig vorbelastet fragte ich vorsichtig: „Germans?“. Ich hatte plötzlich das Bild vom Alpenverein auf Speed im Kopf… Guide meinte:“No. English!“. Wir haben dann um mein Päckchen Kekse gewettet. Die Stimmen wurde noch lauter, das Stakatoklopfen ebenfalls und da waren sie. Her Majesty’s squadron of hell. Vier Mann hoch, in offenen Sandalen, zusammengerechnet etwa 240 Jahre alt, gestählt und wettergegerbt, als ob jeder von ihnen den Truppenübungsplatz in Bielefeld Sennestadt früher eigenhändig mehrmals umgegraben hätte, stürzen sie in einer wilden Welle unter lautem Rufen und herzhaftem Einsatz der Wanderstöcke auf das Ende der Schlucht zu, um diese im Handstreich zu nehmen und dem British Empire zum Geschenk zu machen…

    Zum Glück gingen sie auch genau so schnell wieder. Höllenschlucht…

    Guide hatte gewonnen und die Kekse haben wir geteilt. Nach etwa 30 Minuten interessanter Unterhaltung habe ich mich dann wieder auf den Rückweg gemacht.

    Ein Wort noch, falls jemand von den Hotelgästen mitliest, die heute nach dem Abendessen mit mir im Fahrstuhl gefahren sind: Ich möchte Ihnen hiermit mein Bedauern ausdrücken und versichere Ihnen, dass ich ab sofort nach Genuss des, in Knoblauchöl eingelegten, Ziegenkäses die Treppe nehmen werde…

    Viele Grüße
    Holger
     

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