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Stativ im Eigenbau

Dieses Thema im Forum "Zubehör" wurde erstellt von Bernd54, 16. April 2014.

  1. Bernd54

    Bernd54 canikon Mitglied

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    Hallo in die Runde,

    nach dem ich in meiner User-Vorstellung von letzter Woche ein Eigenbaustativ ankündigte, möchte ich hier "Butter bei die Fische" tun und mein selbstbautes Stativ hier vorstellen. Die Suche nach einer Eigenbauanleitung hat mich ja hier hin geführt und so liegt es nahe, meine Erfahrung als Anregung zum Selbstbau für "schwingungsgeschädigte" Fotografen zu nutzen. Bis dato hatte ich ein Alustativ, auf dem ein kleiner Kugelkopf saß. Die Kugel hatte so etwa 2,5 cm im Durchmesser und bei kurzen Belichtungszeiten war die Stabilitat ganz gut. Die Stativbeine, die innen Hohl waren, waren jeweils 3teilig, um die Höhe variabel einstellen zu können. Zu zusatzlichen Stabilisation war eine Mittelverstrebung unter der Stativkopfplatte mit einer Zubehörablageplatte vorhanden. Für normale Aufnahmen im kurzem bis mittelbrennweitigen Bereich war das ganz brauchbar. Die Grenzen der Stabilität wurden jedoch beim Einsatz von langen Telebrennweiten bis 1000 mm schnell erreicht, was mir aber nicht direkt bewußt war. Beim bein Einsatz eines 2fach-Konverters war jedoch Schluß mit Stabilität, was einerseits auf die mangelnde Kugelkopf- und andereseits auf die zu schwache Stativstabilität zurückzuführen war. Nun ging ich letztes Jahr her und füllte die Hohlräume der Stativbeine mit Quarzsand, in der Hoffnung, durch das deutlich höhere Gewicht mehr Stabilität und Schwingungsfreiheit zu erlangen. Um ein Maximum an Schwingungfreiheit zu erreichen, klemmte ich die halb ausgezogenen Stativbeine mit Schraubzwingen fest, was auch tatsächlich etwas gebracht hat und so war ich erst einmal zufrieden. Das änderte ich jedoch schnell wieder, als ich mir vor ca. 2 Wochen einen neuen (gebrauchten) Kugelkopf zulegte. Um diesen ohne Stativ zu testen, klemmte ich ihn mit 2 Schraubzwingen auf einer Fensterbank fest und setzte die Kamera mit 500er Tele plus Konverter drauf, stellte ein Motiv ein und fokussierte. Allein das scharfstellen war ein "Genuss". Bei 1000 mm Brennweite war nicht das geringste Zittern im Sucherbild erkennbar und auch ein Klopfen mit der Hand gegen das Objektiv brachte das Ganze so gut wie nicht in Bewegung. Jetzt konnte ich Sicher sein, das der neue Kugelkopf (Kugeldurchmesser 70mm) perfekt für mein Equipment war. Dann ging ich her und schraubte alles auf das stabilisierte Alustativ und da wurde sofort klar, das ich dieses vergessen konnte. Nach dem Auslösen zitterte das Sucherbild trotz Stabilisierung und es war klar: ein neues Stativ muß her und so erinnerte mich auch noch an meine aktive Astrozeit, wo mein Teleskop auf ein kräftiges Holzstativ montiert war, welches ich natürlich (leider) nicht mehr hatte. Nun habe ich einige Kanthölzer aus Eiche in meinem Schuppen. Diese sägte ich auf die richtige Länge (ca. 93 cm) und Querschnitt (6 x 4 cm). Ich bohrte dann die Löcher für die Stativtellerbefestigung, auf dem der Kugelkopf sitzt und sägte den richten Ausschnitt für die Befestigung am Stativteller. Mit groben Schleifpapier und danach mit feinem auf Schwingschleifer glättet ich die Oberfläche der Holz-Stativbeine. Zuletzt schraubte ich dann noch die Mittelverstrebung an, die schon am Alustativ dran war. Nun schraubte ich wieder die Kamera mit 500er Tele und Konverter auf das neue Selbstbaustativ und zufriedener kann man kaum sein: Scharfstellen ging wieder super und praktisch zitterfrei, ein Klopfen gegen das Objektiv verursachte zwar etwas Schwingungen, die aber in winzigen Sekundenbruchteilen abgeklungen waren (man bedenke die nicht alltäglichen 1000 mm Brennweite bei 4 kg Gesamtgewicht) auf dem Stativ). Auch ein kräftigeres Klopfen gegen ein Stativbein versetzte die Kamera nicht in nennenswerte Schwingungen.
    Fazit: Ein Stativ sollte praktisch wie aus einem Guß sein ohne viele Einzelkomponeten und aus Hartholz. Muß ja nicht Eiche sein. Eschenholz ist auch beliebt beim Stativbau wegen der schwingungsabsorbierenden Eigenschaften. Anbei noch 3 Bilder, wie das ganze Stativ jetzt aussieht.

    Gruß
    Bernd

    IMG_0229.JPG IMG_0230.JPG IMG_0231.JPG
     
  2. DeCo

    DeCo Guest

    Sieht wirklich sehr stabil aus, ist aber bestimmt nicht für unterwegs gedacht
     
  3. Bernd54

    Bernd54 canikon Mitglied

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    Natürlich auch für unterwegs. Allerdings schlepp ich meine Sachen nicht, sondern da werde ich mir noch ein Fototransport-Handkarren nach diesem Vorbild bauen:

    Transportwagen

    Bernd
     
  4. elektro_heiko

    elektro_heiko Aktiver canikon

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    Sieht ein bisschen aus wie ein russisches Bauernstativ, aber halt auch sehr stabil. Wie schwer ist das Stativ ansich?
     
  5. Bernd54

    Bernd54 canikon Mitglied

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    Was macht ein russischer Bauer mit einem Stativ ??? :confused:. Das Stativ an sich wiegt 11 kg, der Kugelkopf 1,1 kg - macht = 12,1 kg. Mit Kamera u. Objektiv kommen nochmal 4 kg hinzu.
    Also nix für Fotos zwischen Tür und Angel.,-(((.

    VG: Bernd
     
  6. Schnipschnapp

    Schnipschnapp Aktiver canikon

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  7. escho

    escho canikon Legende

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    Ist ja ein tolles Gerät. Gefällt mir :D. Haste von Berlebach schon eine Anfrage bekommen wegen einer Lizenzfertigung ? ;)

    So was ähnliches hab ich mir auch mal gebaut, allerdings für meine erste Astro-Montierung, nachdem mich das Gewackle beim Scharfstellen fast zum Wahnsinn trieb. Hier ein Bild davon (ist das mittlere). Ich habe Kreuzhauenstile für die Füße genommen. Für kleinere Aktionen hab ich das immer noch im Betrieb.

    canikon0030.jpg

    Edgar
     
  8. Bernd54

    Bernd54 canikon Mitglied

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    Edgar, da ist mir doch fast Dein Feedback durch die Lappen gegangen. Freut mich, das Dir mein Gerät gefällt. Berlebach hat sich noch nicht gemeldet,;-(((. Dein Stativ sieht gut aus und ist ja richtig elegant. Die Montierung im Hintergrund, wo der MAK drauf ist, ist das die Vixen Atlux oder eine Takahashi ?

    Bernd
     
  9. escho

    escho canikon Legende

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    Nee, ne Skywatcher AZ-EQ6 GT:

    [​IMG]
    IMG_0344 von seescho auf Flickr

    Hatte ich mir gekauft, weil ich was Equatoriales wollte. Steht wie eine Eins mit dem MAK drauf, kein Zittern beim Scharfstellen.
    Inzwischen habe ich jedoch noch ein 10Zoll GSO RC. Das funktioniert fotografisch auch noch so, ist aber schon grenzwertig. Wenn ich aber am RC noch den 3fach-Flatfield-Konverter mit dranhabe, sind dann 6m Brennweite ohne Verlängerungshülsen, dann wird die Focusierung schon wieder zu einem zitternden Glückspiel. Ich bin schon wieder am überlegen, wie ich das Edelstahlstativ, auf dem die Montierung sitzt, schwingungsärmer machen kann.

    Edgar
     
  10. Bernd54

    Bernd54 canikon Mitglied

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    Das Edelstahlstativ - denke ich - ist das kleinere Problem. Die Montierung selbst dürfte m. E. eher der Knackpunkt sein. Warum: ich kann da jetzt nur das wiedergeben, was von jemanden mitbekommen habe, der ebenfalls eine EQ6 hat oder hatte. Die Montierung ist zwar bullig gestaltet worden uns sieht auch toll aus. Allerdings sind die Achsen (insbesonder die RA-Achse) - so weit ich weiß -zu dünn (ca. 2-2,5 cm) für eine solche Belastung, wie Du sie drauf packst. Es ist ja nicht nur das Gerät, auch das Gegengewicht schlägt zu Buche. Und wenn die Brennweite dann noch verlängert wird, sind die Grenzen schnell überschritten. Eine gute Lagerung spielt da auch eine wesentliche Rolle. Ich weiß nicht, wie bzw. womit die EQ6 gelagert ist.

    Als ich damals in den 80gern mein C8 bekam, war dieses in einer Gabelmontierung. Das Fokussieren war ein Abenteuer. Mann, was hab ich alles angestellt, um ein ruhiges Bild zu kriegen,
    aber alles für die Katz. Die Gabelmontierung war wegen ihrer schwingungsanfälligkeit auch als "Stimmgabel" verschriehen. Fotografieren konnte ich nur bei absoluter windstille. Ende der 80ger hatte ich die Faxen dicke, plünderte mein Sparbuch und kaufte mir die Vixen Super-Polaris DX Montierung auf Holzstativ. WOW !, was für ein Unterschied. Jetzt fing die Beobachtung und das Fotografieren erst an, richtig Spaß zu machen. Die Montierung war zwar auch nicht ganz zitterfrei, aber trotzdem ich habe über 10 Jahre mit ihr gearbeitet und dann mußte wieder eine andere Montierung her, die noch schwerer und präziser lief und außerdem noch mit digitalen Teilkreisen ausgestattet war. Meine Wahl fiel (aufrgrund der vielen positiven Beurteilungen) auf die Losmandy G11-Montierung und das Ergebnis: In Verbindung mit dem C8 war diese Montierung ultimativ zitterfrei selbst bei höchster Vergrößerung. Mond, Planeten, Sterne standen wie festgenagel Blickfeld.
    Mein Autoguider ST-4 konnte sogar die Abweichungen des Leitsterns während der Belichtung auch bei Wind kompensieren. Das war Astrospaß pur. *yiepieh*

    Bernd
     
    #10 Bernd54, 20. April 2014
    Zuletzt bearbeitet: 20. April 2014
  11. escho

    escho canikon Legende

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    Ja, so eine G11 hatte ich mir auch angeschaut. War aber in der Goto-Ausführung preislich Lichtjahre über dem, was ich ausgeben wollte. Von einem 10Zoll RC hatte ich zu der Zeit noch nicht einmal geträumt (Die Erfüllung dieses ungeträumten Traumes kam dann ziemlich überraschend).

    Ich muß da noch ein bißchen testen, woran das Zittern nun wirklich liegt. Ich denke aber schon, daß es das Stativ ist. "Man muß schauen, was man tun kann" <Zitat: Ludwig Thoma> :)

    Edgar