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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : [Know How] Digitalfotografie und Linux



emax
21.06.2008, 09:37
Da es sich hier nicht um ein Tutorial handelt, sondern um eine Informationssammlung zum Thema "Digitalfotografie und Linux", habe ich für den Titel das Prefix "Know How" gewählt.

Diskussionen zum Thema bitte möglichst in eigene Threads stellen, dieser Thread hier soll eine möglichst kompakte Nachschlagemöglichkeit bieten.

emax
21.06.2008, 09:57
Das Paket der Wahl ist schlicht "digikam". Eine leistungsfähigere Alternative gibt es einfach nicht.

Das Paket ist in allen gängigen Distributionen enthalten. Es basiert auf einer SQLite Datenbank und benötigt keine MySQL installation, keinen Datenbankserver und keine Konfiguration, ist aber (für die Techniker) dennoch transaktionsorientiert.

"digikam" ist natürlich GUI-basiert, multithreading fähig (kann mehrere Prozessorkerne nutzen und profitiert deshalb von multi-core Prozessoren) und bietet (Auszug):

eine Bilddatenbank mit Albenstruktur analog zu einem Directory-Baum.
Zuweisung von Stichworten und/oder Kategorien ist -unabhängig voneinander- einzeln und/oder im Stapel möglich
Stapelverarbeitung für vielfältige Bildbearbeitungsoptionen (z.B. Skalieren, Bilderrahmen, Webalben Erstellung, "Gallery" Vorbereitung und Upload etc.)
Integration aller wichtigen Bildbearbeitungsschritte (Farbe, Kontrast, Gamma, Gradationskurven, Helligkeit u.v.a)
Volle 16 Bit Fähigkeit bei allen Aktionen
Integration beliebiger externer Programme (Gimp, CinePaint, eigene Programme)
Integriertes, vollwertiges Farbmanagement, inklusive Möglichkeit der Profilkonvertierung (transform Profil1->Profil2) Rawkonverter Integration
Direkter Download aus allen gängigen Digitalkameras

Das ist nur ein Auszug aus den Digikam Möglichkeiten. Ich habe selber schon am Quellcode von Digikam gearbeitet und weiss aus diesen Aktivitäten, dass die Entwickler hier eine C++ Implementierung vorgelegt haben, hinter der ein objektorientiertes Konzept reinsten Wassers steht.

Von dieser Software dürften noch eine Menge positiver Überraschungen zu erwarten sein.

Projektseite:

http://www.digikam.org/

emax
21.06.2008, 10:48
Auch (oder besser: gerade) unter Linux ist Farbmanagement möglich. Firefox 3 unterstützt dies (im Gegensatz zum IE7) sehr gut, dazu sei auf diesen Thread hier verwiesen:

Farbmanagment im Firefox (http://forum.canikon.de/showthread.php?t=473)

Die Bilddatenbank Digikam (http://forum.canikon.de/showpost.php?p=8023&postcount=2) unterstützt ebenfalls Farbmanagement, ebenso das Bildbearbeitungsprogramm "Gimp". Wer seine Verarbeitungskette lückenlos unter Kontrolle bekommen möchte, dem seien diese Links hier empfohlen:


Argyll: Ein Kommandozeilen Werkzeug für das Linux Farbmanagement (http://www.argyllcms.com/)
LPROF: ein grafisches Werkzeug für das Linux Farbmanagement (http://lprof.sourceforge.net/)

emax
21.06.2008, 11:16
Ohne Frage ist unter Linux das Programm "Gimp" das Werkzeug der Wahl. Es ist allerdings nicht die einzige Möglichkeit zur Bildbearbeitung. Unter Linux sind ein Teil der Bildbearbeitungsfunktionen und Filter als Bibliotheken bzw. Plugins implementiert, die auch von anderen Anwednungen genutzt werden können. Insofern sind die Ergebnisse der betroffen Funktionen ungeachtet der verwendeten Software gleich. Dennoch ist Gimp die Wurzel all dieser Funktionen, aus diesem Paket stammen die genannten Bibliotheken in der Regel.

Die Gimp Benutzeroberfläche war immer gewöhnungsbedürftig, und hat viele von Photoshop verwöhnten Anwender abgeschreckt. Doch mit neueren Versionen wurde (und wird) diese Oberfläche stetig weiter verbessert und allgemein üblichen Standards angepasst. Wer sich einmal damit arrangiert hat, wird die unglaubliche Vielfalt dieser Software nicht mehr missen wollen.

Zur Zeit unterstützt Gimp acht Bit je Farbkanal, es wird aber bereits an einer Version gearbeitet, die volle 32 Bit je Kanal unterstützen wird. Hierzu erlaube ich mir, den entsprechenden Text aus Wikipedia wiederzugeben:

"Für zukünftige Versionen von GIMP sind diverse Ergänzungen geplant. Dies ist vor allem die Nutzung der GEGL-Bibliothek. Diese bietet neben der bisherigen Farbtiefe von 8-Bit-Integer pro Farbkanal auch 16-Bit-Integer sowie einen Modus mit 32-Bit-Fließkomma-Genauigkeit, welcher z. B. bei der Bearbeitung von HDR-Aufnahmen von Bedeutung ist. Zusätzlich ist mit GEGL neben der bisherigen RGB-Darstellung mit CMYK und Lab die Unterstützung weiterer Farbräume geplant. Um dies umzusetzen, werden die Bearbeitungsfunktionen in der Bibliothek implementiert und rechnen intern mit einer Genauigkeit von 32-Bit Fließkomma pro Farbkanal. GEGL arbeitet nicht-destruktiv und soll weitere Dateiformate wie z. B. Rohdatenformate digitaler Spiegelreflexkameras unterstützen ...
Weiterhin geplant sind eine druckempfindliche Sprühdose (für Grafiktabletts), das Laden von Photoshop-Pinseln und höhere HIG-Konformität."

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/GIMP

Gimp unterstützt volles Farbmanagement und alle Funktionen die von einem professionellem Bildbearbeitungsprogramm gefordert sind. Neben den obligatorischen Filtern, Helligkeits-, Kontrast- und Gradationseinstellungen kann man natürlich auch in allen denkbaren Formaten speichern und auch -analog Photoshop- ein natives Gimp-Format verwenden, welches alle Bearbeitungsschritte, Layer etc. bewahrt, so dass diese bei einem erneuten Öffnen wieder zur Verfügung stehen. Die Software ist pluginfähig und bietet darüber hinaus eine Scriptsprache, mit der Gimp-Funktionen auch von "ausserhalb", also ohne Gimp selber starten zu müssen, verwendet werden können. Somit sind auch anspruchsvolle Stapelverarbeitungen mit Gimp möglich.

Anmerkung: Das Gimp Derivat "Cinepaint" wird bereits seit Langem im professionellen Bereich zur Filmretusche eingesetzt und bietet bereits jetzt volle 32 Bit Unterstützung.

Die Gimp Projektseite: http://gimp.org/ (http://gimp.org/)

emax
21.06.2008, 11:55
Eine sehr mächtige Programmsammlung ist das Paket "imageMagick". Mir ist (auch auf anderen Plattformen) keine andere Software bekannt, die in ihren kombinatorischen Möglichkeiten eine derart leistungsfähige Werkzeugkiste zur Verfügung stellt.

imageMagick stellt keine GUI zur Verfügung, aber auch wenn das viele GUI-gewöhnte Anwender abschreckt: es gibt eine Reihe von Anwendungen, die sich der imageMagick Funktionalität bedienen, ohne dass der Anwender das bemerkt. Häufig arbeitet dieses Paket z.B. im Hintergrund der meisten Websites, die auf grafische Funktionen bzw. Bildverarbeitung (z.B. Skalierung, Wasserzeichen etc.) angewiesen sind. Hier soll aber nur ein Einstieg zu den Möglichkeiten dieses Paketes, bestehend aus mehreren Einzelprogrammen, geboten werden.

imageMagick bietet u.a. die folgenden Funktionen:

Formatkonvertierung von einem Format in das andere, z.B. PNG in JPEG
Transformationen: Skalierung, Rotation, Beschneidung, Spiegelung, Trimmen
Transparenz: Beeinflussung der Bildtransparenz
Zeichnen: Text oder Umrisse, Linien etc. zu einem Bildhinzufügen
Dekoration: Einfassungen und Rahmen hinzufügen
Spezialeffekte: Schärfen, verwischen und Einfärben unter Verwendung von Schwellwerten
Animation: GIF Animationssequenzen aus einer Reihe von Bildern erstellen
Text und Kommentare: Bildbeschreibungen, Wasserzeichen und Copyrightvermerke hinzufügen
Bild Identifikation: Format und Attribute eines Bildes bearbeiten, hinzufügen und verändern
Bildkompositionen: Bildüberlagerungen erstellen
Montage: Bildvorschauen auf einer Bilderleinwand gemeinsam darstellen.
Digitale Filme: Filmformate in digitalen Filmdateien lesen und schreiben
Bildberechnungen: Anwendung mathematischer Ausdrücke auf Bilder oder Bildkanäle
High dynamic-range Bilder: akkurate Wiedergabe grosser Kontrastumfänge vom hellsten Sonnenlicht bis in die dunkelsten Schatten
Unterstützung grosser Datenmengen: lesen, schreiben und verarbeiten von Bilddateien auch im Gigapixelbereich
Verschlüsselung und Entschlüsselung: Kodierung und Dekodierung gewöhnlicher Bilder in unlesbare Daten und wieder zurück.
Multithreadfähigkeit: ImageMagick ist Multithreadingfähig und profitiert bereits bei vielen internen Algorithem von dual- und quadcore Prozessortechnologie.


Die schier erschlagende Liste der Möglichkeiten bekommt durch die unbeschränkten Kombinationsmöglichkeiten aller Funktionen eine beeindruckende Dimension. Die oben genannten Funktionen sind uneingeschränkt im Stapel nutzbar und erlauben bei intelligenter Anwendung enorme Arbeitserleichterungen bei maximaler Ausnutzung der zur Verfügung stehenden Systemleistung.

Dieser Beitrag soll nur ein Hinweis auf weitere EBV-Möglichkeiten unter Linux sein. Die vollständige Darstellung geht über die Möglichkeiten hier hinaus, und bedarf deshalb weiterführender Informationen, die überall im Web aber insbesondere natürlich auf den Projektseiten selber zu finden sind: http://www.imagemagick.org/ (http://www.imagemagick.org/)