Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Hat sich das Entwicklerauge auch bei euch verändert.
Mal eine eher filosofische Fräge?
Da wir ja gerade so tolles Wetter hatten und ich Zeit und Muße übrig, wühlte ich mich mal durch ältere Reisebilder.
Neben dem tränenden Auge, das für die tolle Zeit, die man dort verbracht hatte, schaute das andere Auge eher erstaunt, das man da noch an vielen Schrauben zum Aufhübschen drehen kann.
Da hat man vor drei/vier Jahren Nächtelang dran gesessen, um das Album möglichst perfekt hinzubekommen und war dann stolz wie Harry, wenn die Familie sich drüber gefreut hat. (Von den Bildern, die ich für die Arbeit abzweigte, mal ganz abgesehen)
Jetzt ging ich halt wie gesagt noch mal in freudiger Erwartung an Erinnerungen durch die RAWs und muss zugeben, als erstes fing ich an, es anders zu optimieren, man hat den Dreh besser raus, Lichtstärke, Kontrast, Schatten und Farbfrohe unter einen Scheffel zu bringen. Manchmal nur Nuancen, aber bei manchen Bildern, die man als dokumentarisches Beiwerk beiseite gelegt hat, ergeben sich auf einmal ganz andere Ansichten und Eindrücke, die man mit dem Abstand der Zeit auch völlig anders bewertet und man viel schneller und besser ans gewünschte Ergebnis kommt.
Auch habe ich den Eindruck, das es auch mit der Software zu tun haben muß, dabei ist es nicht relevant, ob ich Lightroom oder DPP nutze, gerade DPP hat ja jetzt mehr möglichkeiten als vor bsp. weise vor vier Jahren. Inzwischen nutze ich beides.
Da, wo ich mit DPP nicht weiterkomme, auch das lernt man einzuschätzen, bevor man zuviel Arbeit in ein Bild investiert, wirds markiert und für Lightroom aufgehoben. Der Wechsel von einem zum anderen geschieht bei mir langsam, da ich auch auf mehreren Rechnern arbeiten muss und ein neuer schon wieder in Planung ist.
Aber das nur am Rande, worauf ich hinausmöchte,
findet bei euch auch im laufe der Jahre ein Wandel in der Handhabung der Bildentwicklung statt, oder macht es jemand immer genau nach plan und fertig?
Ich mein, ich bringe das aufgenommene Bildmaterial jetzt durch eine bessere Nachbearbeitung immer näher an das Bild heran, das ich beim Fotografieren im Kopf hatte. Oder bringe ich es näher an die idealisierte Erinnerung?
Kann man das so ausdrücken,
wird man irgenwie effizienter?
Oder anspruchsvoller bei gleichzeitiger Erleichterung der Arbeit mit der Software?
Oder ist das ein normaler Lernprozess, bei dem man sich den Möglichkeiten der Nachbearbeitung immer neu anpasst und das dazugelernte immer schneller in der Lage ist, anzuwenden.
Ich möchte mir da kein Urteil bilden, da spielen zu viele Faktoren mit rein und wenn ich das Canikon oder den Nachbarn beobachte, so ist auch dort, egal ob ex-newbees oder OldBunnys ;) zu sehen, das sich die Art und Weise der eingestellten Bilder pro Teilnehmer im Laufe der Jahre ändert. Das ist Qualität, Aussagekraft, mehr kann man nicht allgemein sagen, dazu gibt es zu viele Themen.
Wer sich hier angesprochen fühlt, darf gerne mal auch seinen Senf dazu geben, mich würden andere Meinungen und Erfahrungen dazu interessieren.
Ansonsten wünsche ich euch für die nächsten Sonnenreichen Tage möglichst gelungene Bilder, ist ja fast ne Schande, da tagsüber nicht mit der Kamera zu arbeiten. ;)
Gruß Peter
Geht mir ganz genau so.
Wenn ich heute noch mal alter Bilder vor hole werden die anders. (IdR besser nach heutigem Empfinden)
Die Möglichkeiten haben sich verbessert:
Die Software kann mehr. Entrauscht z.B. besser, maskiert perfekter, stellt Details in Lichtern und Schatten besser wieder her, sie stitcht perfekter, ich habe auch viel mehr tools als vor ein paar Jahren...
Mein Können in der EBV hat sich verbessert:
Ich weiß einfach mehr und kann mehr, ist halt einfach auch Übung...
Meine Sicht hat sich verändert:
Natürliche Entwicklung denke ich. Kleine Fehler stören mich z.B. heute mehr als früher...
Manches was ich früher schön fand empfinde ich heute als überspitzt und Kitschig.
Sicher ist man nach Jahren beim ein oder anderen Motiv auch frei von der Erinnerung und kann damit ungehemmt gestalten... ;)
Bei mir hat es sich deutlich verändert. Wenn ich an meine ersten Versuche denke - auwei. Vieles ist da nicht so wie ich es heute machen würde. Aber der Lernprozeß ist immer noch nicht abgschlossen. Manches gibt mir noch kleine Rätsel auf. Das Schöne -es geht heute bei Standard einfach schneller und besser.
Ich kann dem bisher gesagten nur voll und ganz zustimmen.
Allerdings ist bei mir der Lernprozess noch in einer relativ steilen Kurve - ich meine damit ziemlich weit am Anfang. Das steht ganz klar im Vordergrund und ich könnte eigentlich jeden Monat meine Bilder wieder neu aufbereiten ...
Deshalb bin ich sehr froh, dass ich von Anfang an alle RAWs zusammen mit den jeweiligen JPGs archiviert habe und dank Datenbanksystem auch schnell und zielsicher wieder finde.
Natürlich ändert sich auch mein Geschmack. An manchem sieht man sich relativ schnell satt (z.B. HDR, Colour-Key) - bei anderem kommt man auf den Geschmack und leckt Blut (z.B. S/W).
Immerhin stelle ich den Lernprozess auch beim Fotografieren fest, so dass sich der Aufwand bei Entwicklung und Nachbearbeitung nicht beliebig erhöht.
Was die Software angeht, habe ich so einige Wechsel hinter mir. Momentan habe ich eigentlich nur 3 Werkzeuge in Verwendung: Adobe Camera-Raw, Photoshop und Pixafe (Bilddatenbank). ab und zu nehme ich auch mal Lightroom3 oder (ganz selten) Photomatix. Der Funktionsumfang und die Qualität der Tools sind bei jedem Update teilweise enorm gestiegen. Entrauschen, Kamera- und Objektivprofile etc. - damit wird schon vieles automatisch oder sehr effektiv erledigt.
Viele Grüße
Jürgen
Thomas W.
02.10.2011, 09:20
Hi,
eigentlich änder sich ja ständig etwas, Fotos sind ja bekanntlich neben sehr persönlichen Erinnerungen auch in vielen Dingen einfach Geschmacksache. Gut, man hat sich mit seiner Software eingearbeitet und ist aber immer noch nicht am Ende der Entwicklung. Dies dürfte auch ebenso ein lebenslanger Prozess sein, wie das eigentliche belichten.
Ich selbst arbeite mit DPP und PSP X3 und arbeite micht demnäcsht in LR3 ein.
Sowohl fotografisch wie auch von der Bearbeitung endecke ich immer wieder Varianten. Auch stelle ich fest, dass frühere "Lieblinge" in den Hintergrund gedrängt werden und sich andere Favoriten offenbaren, manche älteres gefällt mir gar nicht mehr und bei "lohnenswerten" Objekten wird auch nochmals Hand angelegt. Ob es besser ist ? Für mich temporär ja, bis die nächste Geschmacksverschiebung kommt.
Ob mein Bearbeitungsprozess schneller geworden ist ? Ja und nein, die 08/15 Sachen gehen ratz-fatz, wenn es mehr sein soll, dauert es auch länger und der Drang zu tüfteln ist immer noch da.
Es gibt soviel noch zu entdecken.....
Ich finde auch, dass sich das "Entwicklerauge" massiv verändert hat!
Mal ganz davon abgesehen, dass die Technik immer besser wird, und sich schon dadurch die Bilder immer stark ändern. Höhere Auflösungen, bessere Linsen - aber besonders auch das eigene KNow-How verbessert sich ja ständig.
Trotzdem: Als Hochzeitsfotograf merke ich, wie schnell sich Bildstile und Geschmäcker ändern. Mindestens 3x pro Jahr ändere ich meine Grund-Presets als Basis zur weiteren Bearbeitung der Bilder. War noch vor nicht all zu langer Zeit dieser "1980er Magazin-Stil" total angesagt und Sepia ein NoGo für Hochzeiten, so mag "man" inzwischen wieder Sepia. Aus dem dunklen Magazin-Stil ist ein hellerer Stil geworden. Mal sind Vignetten "in" , dann wieder devignetten - (nicht nur) als Hochzeitsfotograf muss man mit den Bildstilen mitgehen, und immer versuchen, den Verv der Zeit zu treffen...
Volker Arnold
03.10.2011, 17:08
Die reine Bildbearbeitung gibt mir nach wie vor immer noch zu schaffen. Was ich aber aus heutiger Sicht geändert habe ist, dass ich mir beim Blick durch den Sucher mehr Gedanken mache, mehr auch auf den Hintergrund achte und den Bildausschnitt schon vorher festlege. So schieße ich z.B. viele meiner Tischtennisbilder mit außermittigem Focusfeld und gebe damit schon vor wie das Bild später in etwa auszusehen hat.
Oliver78
04.10.2011, 06:26
Interessanter Thread. Danke, Peter, fürs Eröffnen.
So wie Volker, sehe ich es auch. Ich achte mehr auf den Hintergrund (zum Beispiel Bäume, die aus Köpfen wachsen :rolleyes:) und habe gelernt, dass es besser aussieht, wenn man den Fokus außermittig legt. Da würde ich mir bei meiner Kamera ein paar AF-Felder mehr als nur die 11 wünschen... Bei der BEA gehen die grundlegenden Sachen mittlerweile schneller von der Hand, aber an tiefergehende Sachen traue ich mich wegen des (für mich) enormen Zeitaufwands oftmals nicht ran
Auch mein Auge hat sich verändert, allerdings in der Hinsicht, dass ich weniger Zeit vor dem Computer verbringen möchte und dafür viel mehr Sorgfalt beim Fotografieren walten lasse.
Was schon bei der Aufnahme passt, Schnitt, Belichtung, braucht nicht erst am PC bearbeitet werden. Die Aufnahmen werden bewusster gemacht, auch mal auf die eine oder andere verzichtetet, wenn es einfach nicht passt. "Verzweiflungsfotos" werden vermieden. Sind Bildserien notwendig für Aktion, dann wird am PC gnadenlos aussortiert.
Gruß, Peter
Gegenüber früher lasse ich mir viel mehr Zeit bei Fotografieren und vezichte auch hin und wieder darauf, den Auslöser zu drücken. Und ich sortiere rigoros aus und behalte nicht mehr jeden Schrott.
Edgar
MadDog J
02.12.2011, 00:14
Moin zusammen,
interessante Ansichten und Bekenntnisse. Ehrlich! Denn ich muss gestehen - reine Selbstwahrnehmung - ich habe mich was das Knipsen angeht kaum geändert oder gar verbessert.
Privat - also nur für meine Familie - Portraits, oft Gegenlicht, selten mit Zoom ... meist 50mm.
Und meine Storys für canikon, direkt aus der Cam, vielleicht für die Story selbst etwas verfremdet, ansonsten EBV Fehlanzeige - lightroom .. was issn das ...
Respekt vor allen, die das können, machen und schätzen! Edgars Einschätzung, nicht mehr 10.000 Bilder zu ballern, sondern die "alte" 36 Bilder pro Film Denke wieder zu beleben, ja das wäre so was ... das hat was.
Ohhh weh hier gibt einer zu, er ist in der Entwicklung stehen geblieben ... bewerft ihn mit alten Filmschnipseln und fürchtet Blindheit, beim Anblick seiner Bilder ...
Der reale Grund dahinter ist, wie schon oft mal angedeutet, Bilder aus der Cam sind für mich eher Vehikel eine Geschichte zu erzählen ... phantasieunterstützende visuelle cerebralakustische Untermalung substrahiert um oflaktorische Wirkkomponentik basierend pheromonabstinenter photonstimulierter Silikatelektonenbeschleudigung zur coloraturthermalen Definition zeitabschnittlicher Handlungsstrangdokumentationen. 'Klar so weit?`
yo denn is ja alles gesagt - cheers Mad
Oliver78
02.12.2011, 06:43
@Mad: *faint* Wo nimmst du immer diese Wortkreationen her? Ich kann die nicht mal lesen - geschweige denn schreiben :-[
@Edgar: Da möchte ich auch mal wieder hin. Im Moment drücke ich den Auslöser noch viel zu oft vorm "gleichen" Motiv.
Wenn man nicht auf der Stelle tritt und sich mit dem Hobby beschäftigt, dann ist es ja logisch dass man sich weiter entwickelt.
Wenn ich das bei mir rückblickend betrachte dann gibt es da zwei drei Punkte wo ich es wirklich gemerkt habe. Das waren damals der Verzicht auf Zooms, nur noch Festbrennweiten. Schon habe ich mich mehr mit dem Motiv auseinandergesetzt, mehr geplant. Dann die kurzen, meistens nur 36 Bilder langen, Ausflüge in die analoge Fotografie wo noch mehr geplant und überlegt werden muss. Dieses Jahr sehe ich es ganz extrem. Meine Portraits vom Anfang des Jahres sind mit den neuesten nicht zu vergleichen. Weil sich das Wissen um Licht, Posing und auch Bearbeitung so extrem verändert hat in dieser für mich kurzen Zeit.
Was ich aber am wichtigsten fand war das lossagen von der Kaufsucht. Immer bessere, teurere Objektive oder Kameras. Zufrieden sein was man hat, auch wirklich nutzen was man hat. Und nicht immer schauen, womit wurde welches Foto aufgenommen, was kann ich als nächstes kaufen. Wenn man das berücksichtigt bzw. da angelangt ist, dann kann man, finde ich, sich in Ruhe seinem Hobby widmen und tolle Fotos machen.
Oliver78
03.12.2011, 15:10
"Mit den Objektiven zufrieden sein, die man hat." Für diesen Satz wirst du volle Zustimmung meiner Frau ernten :rolleyes: Aber natürlich hast du recht...
Brauchst du ihr ja nicht zu sagen ;)
Moin,
... wollte schon lange mal mein Senf dazugeben 8).
Seit 2006 mit der Anschaffung der ersten Digiknipse habe ich sehr viel dazugelernt und lerne immer noch. Ich stöbere ständig im WWW nach inspirierenden Bildern, Tutorials usw., weil ich einfach nur Spass dabei empfinde, mich auch bei der Bearbeitung "kreativ auszutoben" (leider fehlt mir oft die Zeit dazu) *yes!*LOL.
Seit dem ich eine Canon DSLR benutze, benutze ich auch DPP für die RAW Entwicklung, korregiere damit Objektivfehler, CAs und meistens auch Vignettierung, Ausrichtung und Beschnitt. Die eigentliche Beabreitung erfolgt bei mir dann mit Photoline, momentan noch Version 15 (werde aber mit dem Erscheinen von Version 17 noch im Dezember auf diese umsteigen). Ja, mir macht auch die EBV sehr viel Spass, das ausprobieren neuer Stile, zu tüfteln, wie hat der das gemacht usw.. OOC finde ich mittlerweile oft langweilig, austauschbar, unfertig - da fehlt irgendwie die persönliche Note, die Sicht bzw. Interpretation des Fotografen :rolleyes: - Fotografie ist für mich immer subjektiv und das muss man auch sehen können ;):).
(...)Was ich aber am wichtigsten fand war das lossagen von der Kaufsucht. Immer bessere, teurere Objektive oder Kameras. Zufrieden sein was man hat, auch wirklich nutzen was man hat. Und nicht immer schauen, womit wurde welches Foto aufgenommen, was kann ich als nächstes kaufen. Wenn man das berücksichtigt bzw. da angelangt ist, dann kann man, finde ich, sich in Ruhe seinem Hobby widmen und tolle Fotos machen.
Und hier kann ich Marc nur zustimmen, zu Analogzeiten habe ich das auch so empfunden - nach 1987 habe ich kein FD-Objektiv mehr gekauft und habe mit dem damaligen Objektivpark annähernd 20 Jahre fotografiert. Momentan kollidieren allerdings die noch offenen Objektivwünsche mit dem Wunsch nach Vollformat, die Kauflust ist also noch nicht ganz gestillt. Zum Glück sind die Wünsche zwar teuer, aber überschaubar :rolleyes:LOL.
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